Eines ist sicher: Andy Reid ist in der NFL der unangefochtene Meister der Bye-Week. Kein anderer Coach kann ein Wochenende Pause so zuverlässig in einen Vorteil für sein Team verwandeln. Das galt schon zu seiner Zeit bei den Philadelphia Eagles, und es gilt bis heute bei unseren Chiefs.
Die Bilanz: Reid nach der Bye-Week
In der Regular Season haben Reids Teams nach einer Bye-Week fast immer gewonnen. Mit dem 22:6 gegen die Chargers in Week 6 der Saison 2026 steht Reid nach der Bye-Week bei 23 Siegen und 5 Niederlagen, Eagles- und Chiefs-Jahre zusammengerechnet. Das sind gut 82 Prozent. Die bislang letzte Niederlage gab es 2025, als die Chiefs nach der Pause in Denver verloren (Broncos vs. Chiefs 22:19).
Auch in den Playoffs, wenn seine Teams als Top-Seed die Wildcard-Runde aussetzen durften oder vor dem Super Bowl zwei Wochen Zeit hatten, ist die Bilanz stark: Zählt man die Byes vor der Divisional Round und vor den Super Bowls zusammen, kommt Reid nach einer spielfreien Woche auf 11 Siege und 4 Niederlagen.
Das Beispiel Januar 2023
Wie dieser Vorteil in der Praxis aussieht, konnte man im Januar 2023 gut beobachten. Die Chiefs hatten als Nummer eins der AFC frei, das Super Wildcard Weekend war für Chiefs-Fans entspannte Unterhaltung. Wir konnten nicht verlieren, während sich die anderen Favoriten der AFC erst beweisen mussten. Am Ende stand fest: Der Gegner in der Divisional Round würde der Sieger des Duells Jaguars vs. Chargers sein.
Und damit hatte Andy Reid mal wieder einen großen Vorteil. Es gab zwar zwei mögliche Gegner, aber er hatte eine Woche mehr Zeit, sich auf beide vorzubereiten. Gegen die Chargers und Quarterback Justin Herbert hatten die Chiefs in der Saison schon zweimal gespielt, die Stärken und die Spielweise waren bekannt. Für die Jaguars und Trevor Lawrence machte sich Reid zusammen mit seinem Coaching-Staff schon früh in der Woche erste Gedanken: Wie kann der frühere Nummer-1-Pick gestoppt werden? Ein paar Erkenntnisse hatten die Chiefs aus dem klaren Sieg in der Regular Season ohnehin.
Es kamen die Jaguars, und die Chiefs gewannen das Divisional-Round-Spiel mit 27:20, obwohl Patrick Mahomes sich im Spiel am Knöchel verletzte. Zwei Wochen nach dem AFC Championship Game folgte, wieder nach einer spielfreien Woche, der Sieg im Super Bowl LVII gegen die Eagles.
Die Gründe hinter der Bye-Week-Dominanz
Andy Reid selbst hat Reportern erklärt, was sein Geheimnis ist: „Der Trick ist die richtige Balance: wie die Spieler die freie Zeit einsetzen – und natürlich auch wir Coaches. Wir müssen dafür sorgen, dass wir einen strategischen Vorteil haben.“ Und konkreter: „Die Spieler müssen konzentriert bleiben, und wir Coaches haben die Chance, ein paar Sachen anzupassen und weiterzumachen.“
Die Coaches nutzen die Pause, um die eigenen Tendenzen zu analysieren und gezielt Neues für den nächsten Gegner einzubauen. Gleichzeitig kommt sie für angeschlagene Spieler wie gerufen. In der Saison 2022 lag die Bye-Week in Week 8, und nicht nur Mecole Hardman, Joe Thuney oder Skyy Moore konnten damals ihre Wunden lecken, sondern auch viele andere Spieler mit kleineren Verletzungen wurden wieder fitter. Ein wichtiger, vielleicht sogar der entscheidende Vorteil, wenn es gegen die anderen Top-Teams der Conference geht, wo am Ende meist nur ein Score oder die Restzeit auf der Uhr über Sieg oder Niederlage entscheidet. Wer erinnert sich nicht an die 13 Sekunden gegen die Bills?
Das Spiel nach dieser Bye-Week 2022 war übrigens ein hauchdünner Sieg in der Overtime gegen die Titans (Chiefs vs. Titans 20:17). Mahomes hatte eines seiner Sahnespiele mit 446 Passing Yards, unfassbaren 68 Passversuchen und einem eigenen Lauf zur 2-Point-Conversion. Die Titans, fast ein Angstgegner von Reid und den Chiefs, hatten das Nachsehen.
Mit Mahomes noch besser
Das alles funktioniert mit Patrick Mahomes offenbar besonders gut. In der Saison 2016 hatte Reid zum ersten Mal ein Playoff-Spiel in der Divisional Round nach einer Bye-Week verloren, gegen die Pittsburgh Steelers und mit Alex Smith als Quarterback (Chiefs vs. Steelers 16:18). Die Chiefs-Defense ließ in dem Spiel keinen einzigen gegnerischen Touchdown zu, doch sechs Field Goals von Chris Boswell, 170 Rushing Yards von Le’Veon Bell und 108 Receiving Yards von Antonio Brown beendeten den Playoff-Run der Chiefs. Gut drei Monate später holte Andy Reid im Draft an Position 10 Patrick Lavon Mahomes II.
Seitdem haben die Chiefs nach einem Playoff-Bye in der Divisional Round nicht mehr verloren. Die einzigen Niederlagen nach einer spielfreien Woche gab es in den Super Bowls LV gegen die Buccaneers und LIX gegen die Eagles. Wie Reid seine Offense grundsätzlich aufbaut, lest ihr im Artikel über das System von Andy Reid, wie viel Kreativität er in einzelne Spielzüge steckt, zeigen seine besten Trick Plays.
Zuerst erschienen im Kingdom-Newsletter am 11. Januar 2023, für die Webseite überarbeitet (Stand: November 2026). Quellen: Sports Illustrated (Arrowhead Report), Roundtable, chiefs.com (Spielplan 2026).