Zum Inhalt springen
Das Magazin · Hintergrund

Steve Spagnuolo: Der Quarterback, der die Chiefs-Defense baute

Vom High-School-Quarterback über Frankfurt Galaxy zu vier Super-Bowl-Ringen: Wie Steve Spagnuolo die Defense der Chiefs geformt hat und warum seine Spieler ihn wie einen Vater sehen.

Von Daniel JensenAktualisiert am 4. November 202614 Min. Lesezeit

Was wären die Chiefs ohne ihre Defense? Sie hält die Gegner regelmäßig unter 20 Punkten, sorgt dafür, dass schwache Phasen der Offense nicht zu Niederlagen werden, und hat einen großen Anteil an den drei Super-Bowl-Titeln seit 2019. Ihr Architekt ist Steve Spagnuolo: ein früherer High-School-Quarterback und College-Receiver aus Massachusetts, der die meiste Zeit seines Lebens leidenschaftlicher Patriots-Fan war.

Steve Spagnuolo an der Seitenlinie während eines Super Bowls
Spags in seinem Element während eines Super Bowls.

Bei seinen Spielern ist er unglaublich beliebt, wie mir Markus Kuhn während der Recherche zu unserem Buch „Patrick Mahomes: Die unglaubliche Geschichte des NFL-Superstars“ erzählt hat. Weil er nicht von oben herab, sondern auf Augenhöhe mit den Spielern spricht und mit ihnen zusammen gewinnen will.

Maria Spagnuolo: die beste Köchin der USA

Es könnte aber auch an seiner Frau Maria liegen, die bei Spielern wie Chris Jones einen besonderen Platz im Herzen hat. Vor dem Super Bowl 2020 in Miami sorgte Jones dafür, dass ein Freund von ihm Maria Spagnuolo sein Haus zur Verfügung stellte, damit sie auch fern von Kansas City seine heiß geliebten Meatballs kochen konnte. Die hatten laut Jones zwei Wochen zuvor dafür gesorgt, dass er für das Playoff-Spiel gegen die Titans fit wurde.

Die Geschichte von „Spags“, wie ihn in Kansas City alle liebevoll nennen, startete an der US-Ostküste, führte ihn überraschend in die Defense, nach Europa und dann zu Andy Reid, den er noch aus gemeinsamer Zeit im College-Football kannte. Spags musste immer wieder in großen Spielen gegen seine Jugendliebe, die Patriots, antreten, sorgte für die größte Super-Bowl-Überraschung des 21. Jahrhunderts und wurde das letzte Puzzlestück der Chiefs-Dynastie.

Das Defensiv-Mastermind war früher Quarterback

Die Basis seiner Trainerkarriere legte in den 70er-Jahren sein Head Coach an der High School, Richard Egsegian. Der war im Alltag Mathelehrer, trainierte aber nachmittags leidenschaftlich gern das Football-Team der Schule. Schon im ersten Jahr fiel ihm Spagnuolo auf: Der Freshman saugte jedes Wort auf, nahm sich Taktikbücher über Formationen und Innovationen mit nach Hause und brachte sie einige Tage später durchgearbeitet zurück.

Nach zwei Jahren als Backup wurde Spags als Junior Starting Quarterback der Grafton High School. Werfen durfte er allerdings wenig, meistens pitchte er den Ball zum Running Back. Während andere Spielmacher ihren Arm austesteten, trainierte er, den Ball punktgenau abzugeben und seine Mitspieler in Szene zu setzen. Nur acht- bis zehnmal pro Spiel warf er selbst zu einem Receiver.

Mit der konservativen Taktik war das Team erfolgreich und schaffte es bis ins Championship Game seines Distrikts in Massachusetts, das allerdings verloren ging. Danach ging es für Spags ans nahe gelegene Springfield College. Dort reichte sein Talent nicht mehr für die Quarterback-Position, also passte er sich an und wurde Receiver.

Steve Spagnuolo als Wide Receiver mit der Nummer 29 am Springfield College
Steve Spagnuolo am Springfield College als Wide Receiver (#29).

Er war weder besonders schnell noch groß, aber seine Mitspieler beschrieben ihn als Pitbull, der nie nachlässt. Er setzte sich über Moral und Mentalität durch, nicht über Talent. Für mehr reichte es nicht, und so endete die Spielerkarriere mit dem College-Abschluss.

Doch Football ließ ihn nicht los: Er begann an der University of Massachusetts und wurde 1983 Praktikant bei den Washington Redskins. Dann zog ihn ein alter Freund, der einen Job als Linebacker-Coach am kleinen Lafayette College ergattert hatte, auf die „böse Seite“: Er bot ihm an, die Defensive Line zu betreuen. Der ehemalige Quarterback und Receiver beschäftigte sich zum ersten Mal mit den großen Jungs der Defense und hatte richtig Spaß daran.

Das große Ziel: den Quarterback verunsichern

Noch heute stellt sich Spags bei den Walkthroughs wie ein gegnerischer Quarterback vor seine Defense und schaut, wie sie sich bewegt, was sie verrät und welche Schlüsse man daraus ziehen kann: Bewegt sich ein Cornerback zu früh und zeigt an, dass er blitzen will? Erkennt man, dass die Chiefs mit zwei tiefen Safeties spielen?

Steve Spagnuolo steht wie ein Quarterback vor seiner Defense im Training
Spags’ Lieblingsposition: Wie ein Quarterback steht er vor seiner Defense und erklärt, worauf es ankommt.

Genau das will er verhindern, damit der Gegner möglichst wenig darüber erfährt, welches Play gecallt wurde. Seine Zeit als High-School-Quarterback ist deshalb vermutlich die prägendste für ihn als Defensive Coordinator: Er sieht seine Formationen und Taktiken immer aus Sicht des gegnerischen Spielmachers.

Sein Ziel: mit Rotationen, Anpassungen, Blitzes von untypischen Positionen und viel Bewegung dafür sorgen, dass der Gegner nicht versteht, was auf ihn zukommt. Funktioniert das, macht der Quarterback leichter Fehler, braucht länger, um die Situation zu lesen, und ermöglicht der Defense Big Plays. Kurz gesagt: Gegen eine Spags-Defense darf sich ein Quarterback nie wohlfühlen.

Eine wichtige Fähigkeit: Kommunikation

Wie hat sich Spagnuolo damals auf die neue Aufgabe vorbereitet? Er besuchte verschiedene Colleges, rief alte Freunde an und ließ sich erklären, wie sie die Defensive Line coachen, worauf es ankommt und welche Fehler er vermeiden sollte. Während seiner gesamten Karriere hatte Spags keine Scheu, andere um Hilfe zu bitten und sich bei eigenen Schwächen helfen zu lassen.

Genau das tat er auch im Jahr vor seinem Start bei den Chiefs: Nach weniger erfolgreichen Stationen bei den Saints und Ravens ließ er sich einen kleinen Job bei NFL Films geben, studierte dort im Archiv die besten Defenses der Liga und diskutierte mit den Journalisten vor Ort. Der Fokus lag auf der Defensive Line: Für Linebacker und Defensive Backs war er über 30 Jahre zum Experten geworden, mit dem Coaching der D-Line tat er sich am schwersten. Das wollte er vor dem nächsten Karriereschritt verbessern.

Über ein Jahrzehnt Entwicklung, bis nach Deutschland

1984 begann für Steve Spagnuolo eine Zeit des Lernens: von Lafayette nach Connecticut, dann über den großen Teich zu den Barcelona Dragons, zurück nach Maine, weiter zu Rutgers und Bowling Green und schließlich wieder nach Europa zu Frankfurt Galaxy, wo er als Defensive Coordinator die Verantwortung übernahm.

Schon als Defensive-Backs-Coach an der University of Connecticut (1987 bis 1991) hatte er Andy Reid kennengelernt, der damals an der UTEP arbeitete. Die beiden hatten einen gemeinsamen Freund und mochten sich von Beginn an. Während Spags nach Europa ging, schaffte es Reid zu den Packers in die NFL. Beide tauschten sich intensiv über Taktik aus: Reid war Experte für die Offensive Line, Spags wollte sie überwinden.

Der Kontakt hielt, bis Reid 1999 seine erste Chance als Head Coach bekam, bei den Eagles in Philadelphia. Einer seiner ersten Anrufe ging nach Deutschland, wo Spags als Defensive Coordinator in Frankfurt arbeitete. Er sagte zu und wurde einige Jahre später durch seine Erfolge mit Cornerbacks und Safeties sogar Kandidat für Koordinatorenposten.

Seine große Jugendliebe: die New England Patriots

Seit seinem NFL-Start mit Andy Reid und den Eagles traf Spags regelmäßig auf seine Jugendliebe. Als er Teenager und College-Spieler war, waren die Patriots meist Mittelmaß. Als er in die NFL kam, stand die Ära Belichick und Brady gerade am Anfang. Im Super Bowl im Februar 2005 trafen die Eagles mit Andy Reid auf die Patriots, und Spags verlor gegen seine alte Flamme aus der Nähe von Boston mit 21:24.

Zwei Jahre später suchte er den nächsten Schritt und fand ihn bei den New York Giants, die ihn zum Defensive Coordinator machten. Ein Jahr zuvor hatte Reid ihn bei einem Angebot der Vikings noch halten können. Bei den Giants gelang Spags die wohl beste Defensivleistung eines Teams in diesem Jahrtausend: Im Super Bowl im Februar 2008 schlugen die Giants als Wildcard-Team die Patriots, die mit der bis dahin punktstärksten Offense der NFL-Geschichte und ohne eine einzige Niederlage ins Finale eingezogen waren.

Der Super-Bowl-Blues: Probleme als Head Coach der Rams

Spags’ Passrush brachte Tom Brady fünfmal zu Boden, die vermeintlich beste Offense aller Zeiten kam nur auf 14 Punkte, und Spagnuolo gewann seinen ersten Titel als Koordinator. Danach kamen Angebote als Head Coach, und er entschied sich für die St. Louis Rams. Dort konnte er an seinen Erfolg nicht anknüpfen: Nach drei Jahren stand eine desaströse Bilanz von 10-38, das damals schlechteste Team der Liga wurde unter ihm nicht wirklich besser.

Die Defense verbesserte sich zwar deutlich, aber der gedraftete Quarterback Sam Bradford kam wegen Verletzungen nicht in Tritt und hatte nie einen wirklich guten Receiver an seiner Seite. Nach drei Jahren war Schluss, und seitdem hat Spags keinen Job als Head Coach in der NFL mehr bekommen.

Später gab Rams-President Kevin Demoff zu, dass die Organisation, die Spagnuolo übernommen hatte, im Chaos steckte und dort niemand hätte Erfolg haben können. Spags habe die Kultur aber nachhaltig verändert, und die Spieler seien ihm gefolgt. Geholfen hat ihm das nicht.

Auch als Defensive Coordinator der New Orleans Saints tat er sich schwer. Nach dem Bounty-Skandal um Gregg Williams übernahm Spags 2012 die Defense, in der Saison, in der Sean Payton gesperrt war, und lieferte überhaupt nicht ab: Die Saints stellten die schlechteste Defense der Liga und ließen so viele Yards zu wie noch nie ein Team in der NFL-Geschichte. Nach einem Jahr musste Spags gehen.

Nächster Halt: Kansas City

Danach versuchte er es bei den Ravens und ein zweites Mal bei den Giants, konnte aber mit schwachen Teams nicht wirklich überzeugen. 2018 nahm er sich eine Auszeit und arbeitete mit NFL Films an seinem Verständnis davon, wie sich Defensive Football entwickelt. Im Januar 2019 kam dann die Nachricht von Andy Reid: „Bist du noch Free Agent?“ Die kurze Frage war nicht ganz grundlos gestellt.

Andy Reid und Steve Spagnuolo gemeinsam bei den Chiefs
Nach 15 Jahren wieder vereint in Kansas City.

Denn: Spags war damals bei mehreren Teams als Defensive Coordinator im Gespräch. Zwei Kandidaten für Head-Coach-Jobs wollten ihn mitnehmen, falls sie den Zuschlag bekämen, ein weiteres Team hatte ihn zum Interview eingeladen. Die Chiefs, die wenige Tage zuvor im ersten AFC Championship Game von Patrick Mahomes bitter gegen die Patriots verloren hatten, waren eigentlich zu spät dran. Aber Spags war noch zu haben, weil sich keine der drei Optionen gemeldet hatte.

Also flog er am nächsten Tag nach Missouri. Reid stellte seinem alten Weggefährten keine großen Bewerbungsfragen, sondern plante mit ihm von der ersten Minute an die kommende Saison, erklärte ihm, was er mit den Spielern vorhatte, und gab ihm einen Auftrag mit: „Hilf uns, eine Defense auf den Platz zu bringen, die Mahomes und der Offense die Chance gibt, einen Super Bowl zu gewinnen.“ Nicht mehr und nicht weniger.

Das war bitter nötig: Unter Spagnuolos Vorgänger verloren die Chiefs nicht nur mit 31:37 in der Overtime gegen Tom Brady und die Patriots (mal wieder spielen die Pats in Spags’ Karriere eine Rolle), sie hatten auch die zweitschlechteste Defense der Liga. Spiele gewannen sie damals nur, wenn Mahomes und die Offense fehlerfrei dominierten. Es war eine Mammutaufgabe.

Das erste Gespräch: Brett Veach will Spags-Typen holen

An seinem ersten offiziellen Tag als Defensive Coordinator traf Spagnuolo auf General Manager Brett Veach, der selbst erst seit Kurzem im Amt war und viele Fragen an den neuen Abwehrchef hatte: Was für Typen willst du in der Defense? Worauf legst du Wert? Was sind die Eckpfeiler deiner Defense?

Durch seinen Recherche-Job bei NFL Films war Spags darauf bestens vorbereitet. Er nannte Veach direkt mehrere Draft-Kandidaten und verfügbare Spieler aus der Liga, die er schätzte, und der GM machte sich an die Arbeit. Die Chiefs hatten sich bereits entschieden, sich von Justin Houston, Dee Ford und Eric Berry zu trennen. Auf Spags’ Rat holten sie Frank Clark aus Seattle und Tyrann Mathieu aus Houston. Mathieu erinnerte ihn an Antonio Pierce, den er bei den Giants gecoacht hatte und der ein wichtiger Baustein des Super-Bowl-Teams gewesen war.

Danach musste Spags die neue Defense zu einer Einheit formen, was in den ersten Spielen nicht wirklich funktionierte. Der Aha-Moment kam ausgerechnet in einem Spiel, das ganz anders lief, als wir Fans es uns vorgestellt hatten: Am 17. Oktober 2019 verletzte sich Mahomes beim Quarterback-Sneak an der Kniescheibe (googelt das bitte nicht!), und die Defense hatte ihren großen Tag. Joe Flacco, damals Quarterback der Broncos, wurde an diesem Abend achtmal gesackt, und die Chiefs gewannen entspannt mit 30:6.

Dieses erste Jahr war nicht perfekt, und auch der Weg zum Super-Bowl-Titel lief nicht immer rund, siehe den Rückstand gegen die Texans in der Divisional Round oder die erste Halbzeit gegen die 49ers im Finale. Aber die Defense war deutlich besser als ein Jahr zuvor, und gerade die zweite Hälfte im Super Bowl war eine Meisterklasse von Spagnuolo.

Das Defensiv-Mastermind mit vier Super-Bowl-Ringen

Spagnuolo ist der einzige Koordinator der NFL-Geschichte, der vier Super Bowls gewonnen hat, und das mit zwei verschiedenen Franchises: Super Bowl XLII mit den Giants sowie LIV, LVII und LVIII mit den Chiefs.

Der erste Titel gegen die 49ers war noch vor allem eine Meisterleistung der Offense, bei der die Defense immer besser wurde. Mit der Draft-Klasse 2022 um George Karlaftis und Trent McDuffie wurde die Verteidigung aber immer stärker und hat das Team in den Jahren danach oft zum Erfolg getragen, gerade auf dem Weg zu den Titeln in den Super Bowls LVII und LVIII.

Die Spieler lieben es, dass Spagnuolo immer wieder mit neuen Taktiken, Versteckspielen und Überraschungen kommt, sich vor die Defensive Line stellt und erklärt, wie der gegnerische Quarterback nicht erkennt, was sie vorhaben. Das Ergebnis sind viele Spiele, in denen der Gegner kaum punktet.

Ein besonderer Fokus liegt auf den Anpassungen während des Spiels. Spagnuolo nimmt seinen verlängerten Arm auf dem Feld, über Jahre war das Linebacker Nick Bolton, traditionell nach drei bis vier Drives kurz heraus, um die Taktik an das anzupassen, was die Coaches oben in der Box gesehen haben. Deshalb werden die Chiefs meist kurz vor der Halbzeit deutlich besser: Sie haben verstanden, was der Gegner vorhat.

Die wohl beeindruckendste Anpassung gelang ihm im Januar 2024 in der Divisional Round in Buffalo. Die Bills hatten die Chiefs massiv unter Druck gesetzt und zur Halbzeit schon 17 Punkte erzielt. Spags stellte in der Pause das komplette Scheme um, damit Josh Allen nicht mehr scramblen konnte, sondern in der Pocket bleiben musste.

Er ließ Cornerbacks und Safeties in Raumdeckung spielen und die Linebacker deutlich öfter blitzen, um Allen den Raum zu nehmen. Justin Reid war beeindruckt: Man habe in zehn Minuten Looks umgesetzt, die man nie zuvor trainiert hatte, und es habe komplett funktioniert. Am Ende der Halbzeitpause fragte Spags nur: „Seid ihr bereit?“ Die Chiefs-Defense ließ in der zweiten Hälfte nur noch sieben Punkte zu und gewann mit 27:24.

Nach den Spielen gibt es Bananenpudding mit Waffeln

Wenn ein Plan so gut aufgeht, gibt es während der Saisonwoche Nachtisch von Maria Spagnuolo. Der Favorit der Defense ist ihr legendärer Bananenpudding mit Waffeln. Für das ganze Defensivteam braucht sie knapp 25 große Bananen, was manchmal eine Tour durch mehrere Supermärkte in Kansas City erfordert.

Steve und Maria Spagnuolo
Steve und Maria Spagnuolo (Quelle: The Athletic).

Die Zubereitung dauert zwei Tage, bis das Team am Donnerstag oder Freitag das beliebte Dessert auf dem Trainingsgelände bekommt. Eigentlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis es ein Chiefs-Kochbuch von Maria Spagnuolo gibt.

2005 haben Spags und Maria geheiratet, und zwar im Vatikan. Als überzeugte Katholiken wollten sie sich in Rom das Jawort geben. Kurz vor der Ankunft gab es Probleme mit einem Dokument. Spags fand heraus, dass sie es im Vatikan nicht bräuchten, und rief einen Priester an, der früher Messen für die Eagles gehalten hatte. Zufällig war für den nächsten Tag ein Termin frei geworden, und so zahlte Spags 100 Dollar für Trauzeugen und einen jungen Priesterseminaristen. Die kuriose Folge: Die beiden heirateten in einer Kapelle im Petersdom. Inzwischen haben sie fünf Kinder.

Kennengelernt haben sie sich in Philadelphia, wo Maria aufgewachsen ist. Dort fing sie auch an, für Spieler zu kochen, weil Rookie-Safety Quintin Mikell Spags erzählte, dass er das Essen von zu Hause vermisst. Also bereitete Maria ihm jeden Tag etwas zu, etwa gebratenes Hähnchen mit Süßkartoffelauflauf.

Bei den Chiefs bekommt George Karlaftis regelmäßig griechisches Essen. Sein Favorit ist Giouvetsi, Reisnudeln mit Lamm oder Rind, das ihn an seine Kindheit in Griechenland erinnert. Auch der frühere Chiefs-Cornerback L’Jarius Sneed war so begeistert, dass er Maria sagte, ihr Essen schmecke besser als das seiner Großmutter.

Und Spags selbst ist für viele Chiefs-Spieler wie Chris Jones, Sneed, Justin Reid oder Bryan Cook eine Vaterfigur. Ganz besonders für Karlaftis, der seinen Vater mit 13 Jahren verloren hat und in Spags eine wichtige Bezugsperson sieht. Als Sneed die Nachricht vom Tod seines Bruders erhielt, galt sein erster Anruf seinem Defensive Coordinator, der mit ihm am Telefon weinte.

Kein Wunder, dass die Spieler ihren Mentor mit Shirts mit der Aufschrift „In Spags We Trust“ feiern. Die meisten Fans schätzen Steve Spagnuolo als Mastermind auf dem Feld, aber seine Rolle neben dem Feld ist noch größer: Er sorgt dafür, dass eine Gemeinschaft entsteht und die Spieler in Kansas City ankommen.

Das ist vielleicht seine größte Leistung, zusammen mit Maria.

Mehr über den Trainerstab lest ihr in unserem Überblick über die wichtigsten Coaches der Chiefs.

Zuerst erschienen im Kingdom-Newsletter am 30. Oktober 2025 (für zahlende Abonnent*innen), für die Webseite überarbeitet (Stand: November 2026).