Es ist 0:17 Uhr Kansas-City-Zeit, als Lara und ich in der Hotellobby das Mikro aufbauen. Um uns herum sitzen Leute, die vier Tage vorher noch Fremde waren, und keiner will ins Bett. Hinter uns liegt ein 33:30 nach Overtime gegen die Indianapolis Colts, ein Gameday, an dem im Arrowhead jede Emotion dabei war, und eine Reise, über die einer aus der Gruppe am Ende sagt: „Ich fahre reicher nach Hause, als ich gekommen bin.“
Im September 2026 waren wir zum zweiten Mal mit rund 25 Chiefs-Fans aus ganz Deutschland in Kansas City. Wir haben jeden Abend einen kleinen Podcast aufgenommen, und genau aus diesen Folgen ist dieser Reisebericht entstanden. Er soll euch zeigen, wie sich so ein Wochenende anfühlt. Und ehrlicherweise soll er auch Lust machen, beim nächsten Mal dabei zu sein.
Tag 1: Frankfurt, Detroit, Kansas City und ein Abend bei Mahomes und Kelce
Los geht es an einem Donnerstag um 11 Uhr in Frankfurt. Rund neuneinhalb Stunden bis Detroit, dort durch die Einreise, Koffer neu aufgeben, dann noch einmal knapp zwei Stunden bis Kansas City. Ein Tipp, den wir unterwegs gelernt haben: Wer schon einmal in den USA war, kann die App „Mobile Passport Control“ nutzen. Ich war damit nach fünf Minuten durch die Einreise, andere standen deutlich länger an. Am Flughafen wartete der Bus, der uns direkt in unser Hotel in Downtown gebracht hat.

Statt direkt ins Bett ging es am ersten Abend ins 1587 Prime, das Steakhouse von Patrick Mahomes und Travis Kelce. Der Name setzt sich aus ihren Rückennummern zusammen. Das passte gut, denn an diesem Donnerstag hatte Mahomes Geburtstag. Mitgefeiert hat er nicht mit uns, aber wir haben auf ihn angestoßen.
Das 1587 Prime ist schick: Kellner im weißen Jackett, Gäste im Business-Outfit oder kleinen Schwarzen. Wichtig für eure Planung: Trikots und andere Fanartikel sind dort nicht erwünscht, ein Hemd und eine ordentliche Hose reichen aber. Lara hat natürlich den „Alchemy“ bestellt, den Cocktail, der nach dem Taylor-Swift-Song benannt ist. Er kommt mit schwarzer Zuckerwatte, die am Tisch mit einem Brenner abgeflämmt wird. Das Highlight war für mich das Rindertatar mit Eigelb und geröstetem Brot, dazu Steak Frites und ein Wagyu-Steak. Mein Steak kam zuerst durchgebraten statt medium, wurde aber sofort ersetzt, und der General Manager kam persönlich an den Tisch. Für zwei Personen haben wir mit gut 20 Prozent Trinkgeld rund 360 US-Dollar bezahlt. Nicht günstig, aber für einmal im Leben absolut in Ordnung.


Tag 2: Stadiontour, Pro Shop und Burnt Ends in der Tankstelle
Viele denken bei einer Stadiontour an einen netten Programmpunkt zum Warmwerden. Für mich ist sie eines der Highlights der ganzen Reise, und das liegt vor allem an Kim. Kim führt sonst auch neue Chiefs-Spieler durch das Arrowhead, und sie ist mehr Entertainerin als Guide: kein Spruch zu viel, keine Geschichte zu wenig. Wir durften in die Kabine, ans Pult der Pressekonferenz und auf den Rasen.

Was mich am meisten berührt hat, waren nicht die Räume, sondern die Menschen. Wer zum ersten Mal ins Rund des Arrowhead schaut, bekommt feuchte Augen. Lara, die schon zum zweiten Mal dabei war, hat es so gesagt: „Ich habe dieses Jahr viel mehr Tränen gesehen.“ Und sie selbst hat es noch intensiver erlebt als beim ersten Besuch.


Danach ging es in den Pro Shop direkt am Stadion. Mit 15 Prozent Gruppenrabatt sind dort einige Glitzer-Hoodies und Caps in die Koffer gewandert. Wer noch mehr Merch sucht: Im Rally House in der Union Station ist die Auswahl größer, als der Laden von außen wirkt.

Am Abend stand der Klassiker an: Joe's Kansas City Bar-B-Que, das Original in einer Tankstelle. Man stellt sich an, bestellt am Tresen und sucht sich dann einen Platz. Ich habe Lara in der Schlange ein Stück meiner Burnt Ends probieren lassen, und sie hat ihre Bestellung sofort umgeworfen. Burnt Ends sind die fettreichen Enden der Rinderbrust. Sie werden stundenlang geräuchert, in Würfel geschnitten, mit BBQ-Sauce vermischt und noch einmal karamellisiert. In Kansas City nennen sie das „Meat Candy“, also Fleisch-Süßigkeit. Lara nannte es „mit das beste Fleisch, das ich in Ewigkeiten gegessen habe“. Im Vorjahr waren nicht alle vom BBQ überzeugt. Dieses Mal war die ganze Gruppe begeistert.
Der Abend endete an einem Ort, den man nicht buchen kann. Alex aus unserer Gruppe hatte beim Chiefs-Spiel in Frankfurt einen Feuerwehrmann aus Kansas City kennengelernt und war seitdem mit ihm in Kontakt. Also haben wir die Feuerwache 19 besucht. Im Gepäck hatten wir Patches von freiwilligen Feuerwehren aus ganz Deutschland, von Kiel bis Süddeutschland, gerahmt als Geschenk. Wir haben eine Führung durch die Wache bekommen, mit Küche, Kinoecke und der berühmten Stange aus dem ersten Stock. Mitten im Besuch ging ein Alarm los, und 30 Sekunden später war das Löschfahrzeug mit Blaulicht unterwegs.

Tag 3: Soccer, Streetcar und ein Bällebad voller Baked Beans
Im ersten Jahr waren wir am Samstag alle zusammen beim College Football. Dieses Mal haben wir den Tag offen gestaltet: Eine kleine Gruppe ist mit dem Auto zu den Missouri Tigers gefahren, der Rest hat Kansas City erkundet. Am Abend war etwa ein Drittel der Gruppe bei Sporting Kansas City in der MLS. Das Spiel war absurd: Sporting führte nach 16 Minuten mit 3:0 gegen Philadelphia Union und verlor am Ende noch 3:4. Die Stimmung mit Feuerwerk und Maskottchen hat trotzdem alle abgeholt. Und auch hier endet die Nationalhymne nicht mit „the brave“, sondern mit einem lauten „Home of the Chiefs“.

Mein wichtigster Tipp für Kansas City: Redet mit den Leuten. Erzählt, dass ihr aus Deutschland für ein Chiefs-Spiel angereist seid, am besten mit einer Deutschland-Fahne mit Chiefs-Logo. Im Mittleren Westen öffnet das sofort Türen. Viele haben deutsche, irische oder britische Vorfahren und erzählen euch, aus welcher Stadt ihr Urgroßvater ausgewandert ist. Was in Deutschland seltsam wirken würde, ist hier der Start für die besten Gespräche.
Unterwegs waren wir mit der kostenlosen Streetcar. Die fährt inzwischen vom Missouri River bis zur Country Club Plaza, einem Shoppingviertel, das nach dem Vorbild von Sevilla gebaut wurde. Die Plaza ist das mondäne Kansas City. Der Power & Light District rund um unser Hotel ist eher die Szene zum Ausgehen.
Ein kleines Highlight, mit dem niemand gerechnet hat: das BBQ-Museum. Eintritt rund elf US-Dollar, dafür Wände voller BBQ-Geschichte, Plüsch-Fleischstücke, ein Ringwurfspiel samt Champion-Gürtel und ein Bällebad, das wie eine Schüssel Baked Beans aussieht. Alex ist mit Anlauf hineingesprungen und hat dabei jede Regel auf dem Schild daneben gebrochen. Zum Abschied gab es einen geräucherten Sticker, der wirklich nach Smoker riecht.


Abends ging es dann zu Q39, dem Lieblings-BBQ von Andy Reid. Joe's und Q39 gehören für mich zusammen an die Spitze in Kansas City, aber sie sind sehr unterschiedlich. Joe's ist pur, deftig und laut: Seelenfutter, nach dem man direkt aufs Sofa will. Q39 ist ein richtiges Restaurant, in dem man mit der ganzen Gruppe zusammensitzen und einen Abend verbringen kann. Meine Burnt Ends kamen dort als dicke Scheibe auf einem Burger, dazu gab es die besten Macaroni and Cheese der Reise. Die Sauce bei Q39 ist etwas säuerlicher, die von Joe's süßer. Für das nächste Mal steht die „Championship Platter“ schon auf unserer Liste: Brisket, Burnt Ends, Ribs, Pulled Pork, Wurst und alle Beilagen für sechs Personen.
Tag 4: Gameday im Arrowhead
Am Sonntag haben wir morgens noch eine kleine Live-Folge in der Hotellobby aufgenommen, dann ging es zum Stadion. Tailgating auf den Parkplätzen rund um das Arrowhead ist ein Erlebnis für sich: Grills, Zelte, Musik, Fremde, die euch ein Bier anbieten. Ein paar aus unserer Gruppe haben den Platz entdeckt, an dem die Spieler ankommen, und dort fast ihre ganze Tailgating-Zeit verbracht. Andy Reid kam mit Polizeieskorte, Running Back Kenneth Walker III im schicken Anzug.


Wir waren früh im Stadion und so nah wie möglich am Feld, viele aus der Gruppe in der ersten oder zweiten Reihe. Beim Aufwärmen laufen Mahomes und Kelce direkt an euch vorbei, klatschen ab und albern herum. Football fühlt sich dort näher an, als ich es aus jedem Fußballstadion kenne. Dann die Hymne, die nach Tausenden Stimmen mit „Home of the Chiefs“ endet. André, der Damian erst am Mittwoch beim Treffpunkt in Frankfurt kennengelernt hatte und sich mit ihm das Zimmer teilte, sagte danach: „Ein Teil von mir ist im Arrowhead geblieben.“
Dieses Spiel in Week 2 hätte uns als Drehbuch niemand geglaubt. Die Colts eröffneten mit einem Statement-Drive über 65 Yards, der mit einem Touchdown-Pass von Daniel Jones auf Tight End Tyler Warren endete. Die Antwort kam über die Defense: Kristian Fulton schnappte sich eine Interception, kurz darauf fing Travis Kelce den Touchdown zur ersten Führung, und das Stadion explodierte. Im zweiten Viertel verschoss Harrison Butker aus 51 Yards, danach kam der beste Drive des Tages: zwölf Plays, 70 Yards, am Ende ein Touchdown von Xavier Worthy aus einem Yard.


Patrick Mahomes spielte in seinem erst zweiten Spiel nach dem Kreuzbandriss eine seiner besten Partien der letzten Jahre: 32 von 47 Pässen angebracht, 382 Yards, drei Touchdowns, keine Interception. Der Deep Ball war zurück, zweimal traf er Tyquan Thornton in einem winzigen Fenster. Kelce kam auf neun Catches für 101 Yards. Aber: Die Offensive Line hatte gegen den Passrush der Colts Probleme, und die Defense bekam Jonathan Taylor und Josh Downs nie ganz in den Griff. Beim Stand von 27:20 hatten die Chiefs im vierten Viertel den Ball und die Chance, das Spiel zu beenden. Der Drive war schnell vorbei, die Colts glichen zum 27:27 aus.
Overtime. Thornton fing einen Ball bei Third-and-12, und Butker brachte die Chiefs mit einem Field Goal mit 30:27 in Führung. Dann der Moment, in dem alle schon jubelten: Ein Colts-Receiver verlor kurz vor unserer Endzone den Ball, die Spieler feierten auf dem Feld. Doch die Schiedsrichter entschieden auf „down by contact“, der Ball blieb bei den Colts. Die Defense hielt trotzdem und ließ nur ein Field Goal zum 30:30 zu. Chris Jones stand auf dem Feld und peitschte das Stadion nach oben. Rosi aus unserer Gruppe hat sich in diesem Moment einfach nicht mehr hingesetzt. Wir alle hatten das Gefühl, dass unsere Lautstärke etwas ausmacht. Die Strafen gegen die Colts wegen Delay of Game und Illegal Formation fühlten sich jedenfalls an wie unser Verdienst. Am Ende entschied wieder ein Field Goal: 33:30 für die Chiefs.

Was am Ende bleibt
Man hat vor so einer Reise immer ein bisschen Sorge: 25 Leute, die sich nicht kennen, vier Tage eng zusammen. Und dann steht man nach zwei Tagen in der Gruppe und hat das Gefühl, man wäre schon eine Woche unterwegs. Unterschiedliche Berufe, unterschiedliche Altersgruppen, aus ganz Deutschland, und alle verbindet dieselbe Leidenschaft. Aus der Reise 2026 sind Freundschaften entstanden, Damian und André planen schon den nächsten Besuch beim anderen. Und einige haben sich noch im Bus nach dem Spiel für das nächste Jahr gemeldet.

Wir fahren 2027 wieder. Termin, Spiel und Preis stehen fest, sobald die NFL den Spielplan veröffentlicht. Wer auf unserer Warteliste für die Reise 2027 steht, erfährt es als Erstes. Dort könnt ihr euch auch für eine mögliche Playoff-Reise im Januar vormerken. Alle Tipps für euren eigenen Besuch stehen im Gameday-Guide fürs Arrowhead und im Kansas-City-Guide.
Und wenn ihr die Reise in voller Länge erleben wollt: Hört in unsere vier Reise-Folgen im Podcast rein. Wart ihr schon mal im Arrowhead? Schreibt uns im Forum, was euer Gänsehautmoment war.
Unser ReisepartnerMit DERTOUR Sports fahren wir zu den Chiefs: offizielle Tickets fürs Arrowhead und ein Hotel mitten in Kansas City. Auf Wunsch lässt sich die Reise mit weiteren Zielen in den USA verbinden.Zur Chiefs-Reise bei DERTOUR Sports →
