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Das Magazin · Spieler

Emmett Johnson: Wer ist unser Rookie-Running-Back wirklich?

143 Yards auf 13 Snaps gegen Denver, der erste Touchdown, Rookie of the Week. Ist Emmett Johnson mehr als ein Backup für Kenneth Walker? Seine Zahlen von Nebraska bis heute und der Vergleich mit den besten Running Backs der NFL.

Von Daniel Jensen7. November 2026 · Stand: nach Week 810 Min. Lesezeit

Es war nur ein Screen Pass. Patrick Mahomes legt den Ball kurz ab, Emmett Johnson nimmt ihn auf und läuft 73 Yards in die Endzone. Am Ende des Spiels in Denver stehen fünf Catches auf fünf Targets, 128 Receiving Yards, ein Lauf über 15 Yards und ein Kickoff-Return über 44 Yards. Dafür wurde er zum Pepsi NFL Rookie of the Week gewählt. Die Chiefs haben das Spiel zwar verloren (Broncos vs. Chiefs 28:24), aber Johnson war der hellste Punkt in einer schwachen Offense.

Emmett Johnson mit dem Ball in der Hand weicht im Spiel in Denver dem Tackle-Versuch von Broncos-Linebacker Alex Singleton aus
Emmett Johnson lässt in Denver Linebacker Alex Singleton stehen. Foto: Imago/Icon Sportswire (Dustin Bradford)

Das Bemerkenswerte daran ist nicht nur die Leistung, sondern die Spielzeit: Johnson stand nur 13 offensive Snaps auf dem Feld, Kenneth Walker 55. Und trotzdem hatte der Rookie mehr Yards from Scrimmage als unser Starter (143 zu 84). Was ist das also für ein Spieler? Und wie viel steckt in ihm?

Steckbrief

PositionRunning Back, #10
CollegeNebraska
Draft2026, Runde 5, Pick 161
Größe / Gewicht1,80 m / 200 lbs
40-Yard-Dash4,56 Sek. (Combine)
Vertrag4 Jahre / 4,87 Mio. US-Dollar
Alter23
AuszeichnungenBig Ten RB of the Year, All-American

Wie wurde er zum Fünftrundenpick?

Johnson kommt aus Minneapolis und war bei Nebraska drei Jahre Starter. Den Durchbruch hatte er erst in seiner letzten Saison 2025: 1.451 Rushing Yards (Platz 1 in der Big Ten), 12 Touchdowns und 46 Catches. Er war der einzige FBS-Spieler mit mehr als 150 Scrimmage Yards pro Spiel und der erste Running Back der Huskers seit Ameer Abdullah, der gedraftet wurde.

Wieso ging er dann erst in Runde 5? Die Antwort liegt im Pre-Draft-Prozess. Bei der Combine lief Johnson 4,56 Sekunden und war damit der langsamste der zehn Running Backs, die den 40-Yard-Dash gelaufen sind. Die Chiefs haben trotzdem zugeschlagen und sind dafür von Pick 169 auf 161 hochgetradet. Andy Reid hat ihn später mit LeSean McCoy verglichen, und zu diesem Vergleich kommen wir noch.

Was sagen die NFL-Zahlen bisher?

Nach acht Spielen sieht seine Bilanz so aus:

20
Carries für 77 Yards (3,9 pro Lauf)
14
Catches für 237 Yards (16,9 pro Catch)
1
Touchdown
26 %
der Offensive Snaps in den ersten vier Spielen (Walker: 75 %)

Laut PFF führt Johnson die NFL in der Missed Tackle Rate an, also dem Anteil seiner Touches, bei denen ein Gegenspieler ihn nicht zu Boden bringt. Allerdings bei nur 34 Touches. Das ist eine kleine Stichprobe, und ein einziges Spiel verzerrt das Bild.

Ohne die Ausreißer

Rechnet man den 73-Yard-Touchdown und den 15-Yard-Lauf aus Denver heraus, bleiben zwei sehr unterschiedliche Bilder:

  • Als Receiver: rund 12,6 Yards pro Catch. Das ist weiterhin stark.

  • Als Runner: rund 3,3 Yards pro Carry. Hier hat er sich in der NFL noch nicht bewiesen.

Was für ein Spielertyp ist er?

Johnson gewinnt über Elusiveness, also die Fähigkeit, Tacklern auszuweichen, und über das Passspiel. Nicht über Wucht und nicht über Topspeed. Seine Nebraska-Zahlen zeigen dieses Profil sehr klar.

Die Stärken: 68 Missed Tackles Forced waren 2025 Platz 6 im ganzen Land. Dabei stand er weniger Snaps auf dem Feld als jeder der drei Spitzenreiter dieser Wertung. Als Receiver war er noch auffälliger: 21 Missed Tackles nach dem Catch waren der Bestwert aller College-Running-Backs. Dazu kommen gute Vision und Geduld an der Line of Scrimmage.

Die Schwächen: Nach dem ersten Kontakt ist bei ihm meist Schluss. Bei den Yards after Contact pro Lauf lag er in einer Vergleichsgruppe von 27 Running Backs auf dem letzten Platz. Die Chiefs selbst schreiben, dass er Probleme hat, wenn die Laufwege unklar sind, und an Wirkung verliert, wenn er seitlich cutten muss. Und in der Pass Protection, also beim Blocken gegen den Passrush, hatte er bei PFF nur eine Note von 43,5. Gar nicht gut für einen Back, der auf Third Down Mahomes schützen soll.

Wie schlägt er sich im Vergleich mit den besten Running Backs?

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was Johnson ist und was nicht, habe ich ihn mit zwölf der aktuell besten Running Backs der NFL verglichen. Und zwar auf Basis ihrer letzten College-Saison, denn nur dort sind die Zahlen wirklich vergleichbar.

Ausweichen oder durchlaufen?
Letzte College-Saison: Missed Tackles Forced pro Carry (senkrecht) und Yards after Contact pro Carry (waagerecht). Oben rechts sitzen die Backs, die beides können.
Emmett JohnsonVergleichsspieler
Quelle: PFF. Bei Tuten „Avoided Tackles“ pro Lauf. Henry 2015, Bijan und Gibbs 2022, Walker 2021, Irving 2023, Skattebo und Tuten 2024, Johnson 2025.
Als Tabelle anzeigen
SpielerSaisonMTF/CarryYCO/Carry

Die Grafik zeigt das Problem auf einen Blick: Johnson steht unten links. Bijan Robinson, Kenneth Walker, Bhayshul Tuten, Cam Skattebo und Bucky Irving lagen bei den Yards after Contact rund ein bis eineinhalb Yards vor ihm, und fast alle forcierten auch mehr Missed Tackles pro Lauf. Am nächsten ist ihm Jahmyr Gibbs. Das ist eine gute Nachricht, denn Gibbs hatte im College ähnlich schwache Kontaktwerte und ist in der NFL trotzdem zum Elite-Back geworden.

Wer ist schneller?
40-Yard-Dash bei der Combine, in Sekunden. Weiter links ist schneller.
Offizielle Combine-Zeiten. Jaylen Warren und Cam Skattebo sind nicht enthalten.
Als Tabelle anzeigen
Spieler40-Yard-Dash

Beim Tempo ist die Lücke noch deutlicher. Von den Spielern aus meinem Vergleich war nur Kyren Williams langsamer. Gibbs, Walker, Tuten, Jonathan Taylor und James Cook sind alle mehr als eine Zehntelsekunde schneller. Bei ihnen werden aus einem Missed Tackle 70-Yard-Touchdowns. Bei Johnson war der 73-Yard-Screen eher die Ausnahme.

Wer fängt den Ball?
Catches in der letzten College-Saison.
McCaffrey und Henry 2015, Gibbs und Bijan 2022, Walker und Kyren Williams 2021, Johnson 2025.

Im Passspiel sieht es ganz anders aus. Mit 46 Catches liegt Johnson auf einem Level mit Christian McCaffrey und Gibbs. Genau hier hat er seinen Wert für unsere Offense.

Wem ist er ähnlich, wem nicht?

Ich habe die zwölf Backs in Gruppen eingeteilt. So lässt sich am besten erkennen, wie weit Johnson von welchem Typ entfernt ist.

Die echten Verwandten

Kyren Williams

Workhorse in Notre Dame, wegen 4,65 im 40-Yard-Dash erst in Runde 5 gedraftet. 2021: 1.002 Yards, 42 Catches. Johnson: 1.451 Yards, 46 Catches. Der große Unterschied: Kyren war schon im College stark in der Pass Protection.

Ähnlichkeit hoch
Bucky Irving

Athletisch fast ein Zwilling: 1,75 m, 192 lbs, 4,55 Sekunden. Aber Irving war im Kontakt deutlich stabiler (0,40 Missed Tackles pro Lauf, rund 4 Yards after Contact).

Ähnlichkeit hoch

Die Speed-Receiver

Jahmyr Gibbs

Ähnliche Missed-Tackle-Rate, ähnlich schwache Kontaktwerte, ähnlich viele Catches. Aber Gibbs lief 4,36 und war ein überragender Route-Runner.

Ähnlichkeit mittel
James Cook

Lebt von Big Plays über die Geschwindigkeit. War bei Georgia nie die Nummer 1, Johnson dagegen ein Workhorse.

Ähnlichkeit gering

Die explosiven Kontakt-Läufer

Kenneth Walker

89 Missed Tackles, 1.168 Yards after Contact (Platz 1 der FBS), 4,38 Sekunden. Er macht im Laufspiel alles, was Johnson nicht kann, und deshalb ergänzen sich die beiden.

Ähnlichkeit gering
Bijan Robinson

104 Missed Tackles, PFF-College-Rekord. Bijan bricht Tackles mit Masse und Balance, Johnson weicht ihnen aus.

Ähnlichkeit gering
Bhayshul Tuten

4,32 Sekunden und 4,4 Yards after Contact. Speed und Physis, beides fehlt Johnson.

Ähnlichkeit gering

Die Kontakt-Grinder

Cam Skattebo

102 Missed Tackles und 4,09 Yards after Contact bei 219 lbs. Läuft wie ein Linebacker.

Ähnlichkeit sehr gering
Jaylen Warren

85 Missed Tackles auf Läufen, also mehr als Johnson. Aber über Kraft und tiefen Schwerpunkt (1,73 m, 215 lbs), nicht über Cuts.

Ähnlichkeit sehr gering
Derrick Henry & Jonathan Taylor

Volumenläufer mit über 220 lbs, die Defenses über vier Quarter zermürben. Das komplette Gegenteil.

Ähnlichkeit sehr gering

Allein in seiner Klasse

Christian McCaffrey

Die Rolle passt: Ein-Mann-Offense, Three-Down-Back mit vielen Catches. Das Niveau nicht: McCaffrey hatte 2015 über 14 Yards pro Catch, Johnson 8.

Ähnlichkeit mittel

Und die Running Backs unter Andy Reid?

LeSean McCoy ist Reids eigener Vergleich. McCoy war der Inbegriff des seitlichen Cutters, und genau das sehen die Chiefs bei Johnson als Schwäche. Ich glaube, Reid meint eher Vision und Stop-and-go.

Brian Westbrook ist für mich der passendste Reid-Back: klein, mit viel Receiving-DNA, eingesetzt aus dem Backfield, dem Slot und bei Screens. Johnsons 73-Yard-Screen ist genau so ein Westbrook-Play.

Jerick McKinnon zeigt, was die Third-Down-Rolle unter Reid verlangt: Mahomes hat ihm vertraut, als Receiver und in der Protection.

Kevin Faulk hat nie unter Reid gespielt, er war seine ganze Karriere bei den Patriots. Er steht trotzdem für die Rolle: Third Down, Returns, verlässliche Pass Protection.

Hat er das Potenzial zum RB1?

Kurzfristig nicht, solange Walker gesund ist. Der Super-Bowl-LX-MVP hat einen großen Vertrag, und Johnson hat ein anderes Profil, das neben ihm funktioniert. Für einen klassischen RB1 mit 300 Carries fehlen ihm Kontaktbalance und Tempo.

Das ist er heute

Change-of-Pace-Back hinter Walker, mit Screen-Paketen und als Kick Returner. Rund ein Viertel der Snaps, kaum Läufe, viel Wert als Receiver. Das Risiko ist die Pass Protection: Ein Back, der den Blitz nicht aufnimmt, steht auf Third Down nicht neben Mahomes, egal wie gut er fängt. Bleibt die PFF-Note auf dem Niveau von 43,5, bleibt es bei Returns und ein paar Screens.

Das könnte er mal werden

1B, in Richtung 1A, in einem Duo mit Walker, in einer Westbrook-Rolle. Echter RB1 wird er nur, wenn Walker länger ausfällt. Dann ist er der einzige Back im Kader mit Three-Down-Profil.

Was haben wir also gelernt?

Emmett Johnson ist ein Kyren-Williams-Typ mit Bucky Irvings Athletik und Brian Westbrooks Rolle im Passspiel. Er wird über Vision und kurze Wege gefährlich und lässt Gegenspieler im offenen Feld stehen. Er ist kein Kontaktläufer wie Walker oder Skattebo, kein Home-Run-Hitter wie Gibbs und kein Bijan.

Aber: Kyren Williams hat mit fast identischem Athletikprofil den Sprung zum RB1 geschafft, weil Sean McVay ihn auf jedem Down stehen lassen konnte. Der Schlüssel war die Pass Protection. Schafft Johnson diesen Schritt, ist das Kyren-Szenario realistisch. Schafft er ihn nicht, wird es selbst für die Third-Down-Rolle eng, und er bleibt ein Spezialist für Screens und Returns.

Für mich ist klar: Johnson braucht ab sofort eine feste Rolle als 1B neben Walker, nicht nur ein paar Snaps, wenn unser Starter durchatmen muss. Das heißt für mich acht bis zehn Touches pro Spiel, eigene Pakete auf Third Down und bei Screens. Walker ist auf Kurs für eine Workload, die im Januar teuer werden kann, und Johnson hat in Denver gezeigt, dass die Offense mit ihm auf dem Feld nicht schlechter wird. Gegen die Jets ist der richtige Moment, damit anzufangen.

Wie seht ihr das? Ist Johnson unser Back der Zukunft oder „nur“ ein starker Spezialist?

Stand: nach Week 8 der Saison 2026. Quellen: Athlon/Yahoo (Rookie of the Week, Saisonzahlen), Arrowhead Pride (Snap Counts), SI (Snap-Anteile), ESPN (Combine), PFF (College-Werte), DraftSharks, KY3 (Einschätzung der Chiefs), RotoWire (Vertrag), PFF (Bijan Robinson), Michigan State (Kenneth Walker), PFF (Derrick Henry), PFF (Bucky Irving), SI (Cam Skattebo), Fantasy Footballers (Bhayshul Tuten), Steelers Depot (Jaylen Warren), On3 (Kyren Williams).