Dass Patrick Mahomes in jedem Spiel dieselbe rote Unterhose trägt, hat er als Gast im ManningCast bei ESPN verraten. Bei Siegesserien wird das gute Stück auch nicht gewaschen, es geht ja um viel. Aber nicht nur der Quarterback hat besondere Rituale. Wir haben zusammengetragen, wie sich die Chiefs-Stars auf den Spieltag vorbereiten.
Mahomes weiß selbst, wie merkwürdig seine Marotten rund um ein Spiel sind. Er hat einmal im Trainingscamp erzählt, dass er aus zwei ganz verschiedenen Typen besteht: dem Alltags-Ich und dem Gameday-Ich. Und das Gameday-Ich tut alles, um in der NFL erfolgreich zu sein. Dazu gehören eben auch ein paar absonderliche Rituale.

Patrick Mahomes: Warm-up und rote Unterwäsche
In der Netflix-Doku „Quarterback“ hat Mahomes erzählt, dass er neben der roten Unterwäsche (mehr dazu) bei jedem Spiel in Hoodie und Jogginghose aus der Kabine kommt und sich etwa 20 bis 30 Minuten auf dem Platz vorbereitet. Zuerst inspiziert er das Feld und läuft es einmal komplett ab. Er schaut sich alles genau an, damit ihn später im Spiel nichts mehr ablenkt. Jede Ecke des Stadions will er vorher gesehen haben. Dabei achtet er darauf, nicht über Logos oder Linien zu laufen. Am Ende betet er an einem der Goalposts.
Dann geht es in die aktive Vorbereitung: Er wirft Bälle über verschiedene Distanzen, um seinen Wurfarm aufzuwärmen, und beendet die Übung mit einem Fadeaway-Wurf wie beim Basketball, in einen „Korb“, den ein Teamkollege mit den Armen bildet.
Später, in Uniform, führt sein letzter Weg vor dem Spiel zu seiner Frau Brittany, die einen kurzen Kuss bekommt. Nach dem Coin Toss folgt ein lauter Schrei, um alle Energie zu bündeln. Dann ist er bereit. Sein Fitnesstrainer hat einmal erklärt, dass es Mahomes darum geht, in einen Flow zu kommen und vollkommen auf das Spiel fokussiert zu sein.
Travis Kelce: ein Band am Arm

Seit der Corona-Saison 2020 trägt Travis Kelce ein Band am Arm. Damals mussten alle NFL-Spieler in den Team-Einrichtungen Tracing-Bänder tragen, mit denen sich nachvollziehen ließ, wem sie länger nahe gekommen waren. Kelce hatte sich so daran gewöhnt, dass er seitdem ein einfaches Schweißband als Ersatz trägt. Ohne fühlt er sich nackt. Mehr über ihn lest ihr in unserem Porträt von Travis Kelce.
Die Rituale aus der Titelsaison 2023
Die folgenden Rituale stammen aus der Super-Bowl-Saison 2023. Einige der Spieler stehen inzwischen bei anderen Teams unter Vertrag, ihre Routinen haben sie aber sicher mitgenommen.
Drue Tranquill: barfuß den Boden spüren

Der Linebacker hat aus seiner Zeit bei den Chargers ein Ritual mitgebracht: Egal, wie kalt es ist, vor dem Spiel läuft er barfuß über den Platz und versucht, eine Verbindung zum Feld aufzunehmen. Das soll ihn erden.
Außerdem beginnt sein Gameday-Programm auch bei Heimspielen schon am Vortag: Er zieht sich von seinen drei Kindern ins Hotel zurück, um mehr Schlaf und Ruhe zu bekommen. Seine Familie sieht er vor dem Spiel noch kurz an der Seitenlinie, danach hört er Musik und betet in der Stadionkapelle.
Justin Reid: Field Goals und Playbook vorlesen
Der Safety beendete sein Warm-up zu Saisonbeginn mit ein paar Kicks, um für den Fall eines Ausfalls von Harrison Butker etwas Gefühl zu haben. Mit dem kälteren Wetter musste er das Ritual allerdings aufgeben: Kalte Bälle zu treten tat weh.
Schon Stunden vor dem Spiel liest er in der Kabine das Playbook und seine defensiven Calls laut vor und visualisiert die Momente auf dem Feld. Warum laut? Weil er dann laut eigener Aussage nichts anderes im Kopf hat als den Call und sich nicht selbst austricksen kann.
Nick Allegretti: Jonglieren, Zauberwürfel und Ordnung wie bei Monk
Für den Offensive Lineman ging es vor dem Spiel zuerst darum, dass sein Bereich in der Kabine penibel aufgeräumt ist. Ein bisschen wie Monk aus der gleichnamigen Serie sortierte er seine Sachen für nach dem Spiel. Zur Beruhigung jonglierte er mit drei kleinen Bällen und löste einen Zauberwürfel, den er immer in der Tasche hatte. Klappte es mal nicht, war das auch keine Tragödie.
Jawaan Taylor: Gospel und Gebete
Taylors Vater war nicht nur religiös, sondern auch in der Kirche aktiv, also ging der Offensive Tackle in seiner Kindheit dreimal pro Woche in den Gottesdienst. Gospelmusik gehört für ihn deshalb zur Einstimmung auf das Spiel, und vor der Nationalhymne betet er.
Mike Danna: Meditation am Morgen
In der Saison 2023 fing Mike Danna an, direkt nach dem Aufwachen und noch vor dem ersten Blick aufs Handy etwa 15 Minuten zu meditieren und sich die positiven Momente des Tages vorzustellen, vor allem auf dem Feld. Für ihn war es eine Überraschung, wie sehr ihm das half, klarer und optimistischer in den Tag zu gehen. Vielleicht ein Grund für seine deutliche Leistungssteigerung in jenem Jahr.
Derrick Nnadi: viel Schlaf und laute Musik
Der Defensive Tackle an der Seite von Chris Jones brauchte vor dem Spieltag besonders viel Schlaf: Zehn Stunden waren das Ziel. Vor dem Spiel hörte er sehr laute Musik, um den Kopf freizubekommen. So kam er nach eigener Aussage „in die Mechanik“ und ließ sich weder von Zuschauern noch von Trashtalk ablenken.
Trey Smith: wenig Shirt, wenig Ablenkung
Trey Smith braucht am Spieltag viel Luft und hat sich deshalb sein Warm-up-Shirt aufgeschnitten, damit es unter den Pads nicht stört. Ansonsten geht es ihm darum, Ablenkung zu vermeiden und seine „langweilige Routine“ durchzuziehen: entspannte Musik, wenig Gespräche, voller Fokus und so wenig Energieverbrauch wie möglich.
Justin Watson: Song in Dauerschleife und frisch geschnürte Schuhe
Die Gameday-Playlist des Receivers startete immer mit demselben Song, der ihn an seine College-Zeit und seinen Mitspieler Austin Stapleton erinnert: „Firestone“ von Kygo muss mindestens 30 Sekunden laufen, damit sich Watson gut fühlt. Nach allen Warm-ups und Ansprachen schnürte er seine Schuhe noch einmal neu. Auf weitere Routinen verzichtete er bewusst, weil in der NFL so viel passieren kann, das einen aus dem Rhythmus bringt.
Und ihr?
Habt ihr besondere Rituale, wenn ihr die Chiefs-Spiele schaut? Erzählt es uns in einer unserer WhatsApp-Gruppen oder beim nächsten Watchparty-Treffen.
Zuerst erschienen im Kingdom-Newsletter am 10. Januar 2024 (für zahlende Abonnent*innen), für die Webseite überarbeitet (Stand: November 2026).